Computer-Genealogie

Ich habe von Verwandten weit über 250 Stammbäume und Familienblätter erhalten, die ich nach und nach in das Stammbaum-Netzwerk übernommen habe. Bei der Übernahme dieser Daten sind mir die unterschiedlichen Angaben aufgefallen. Für ein und dieselbe Person hatte es auf den diversen Familienblättern und Stammbäumen unterschiedliche Geburts-, Ehe- oder Sterbedaten.

Früher hatte man keine Computer mit Genealogieprogrammen. Die großen Stammbäume wurden händisch gezeichnet und beschriftet und die Familienblätter im besten Fall mit der Schreibmaschine erstellt. Fehler waren somit vorprogrammiert.

Wenn ich einen neuen Stammbaum erhalte, vergleiche ich jedes einzelne Datum mit den Daten im Stammbaum-Netzwerk. Wenn es Abweichungen gibt, kann ich zum Vergleich per Mausklick die entsprechende Kirchenbuchseite aufrufen und eine neuerliche Überprüfung vornehmen. Zudem sind bei sämtlichen Namen und Daten alle Quellen hinterlegt. Plausibilitätstests helfen zusätzlich eine sehr hohe Datenqualität beim Stammbaum-Netzwerk zu erreichen.

Beispiele zu abweichenden Angaben

  • Am Grabstein ist z.B. das Geburtsdatum 18.12.1856 vermerkt. Im Familienbuch steht jedoch das Geburtsdatum 20.12.1856. Welches Datum stimmt? Im Taufbuch ist ersichtlich, dass am 20.12.1856 getauft wurde und die Geburt am 19.12.1856 erfolgte.

  • Ein Richter namens Anton Mathis wurde laut Familienblättern und Stammbäumen am 24.10.1736 in Hohenems geboren. Wenn er der Gatte der Magdalena geb. Öhe ist, dann wäre er mit seiner Cousine (!) verheiratet. Im Ehebuch ist jedoch eine Dispens wegen Blutsverwandtschaft im 3. und 4. Grad vermerkt. Richter Anton Mathis ist laut Sterbebuch am 17.10.1795 im Alter von 68 Jahren gestorben. Wenn die Altersangabe richtig ist, dann müsste der Richter ungefähr Jahrgang 1727 sein. In Ebnit hatte es einen Anton Mathis dieses Jahrgangs, allerdings ist dieser im Alter von 16 Jahren gestorben. Im Familienbuch wurde zuerst das Geburtsdatum 21.12.1727 notiert, dann aber durch das Geburtsdatum 03.06.1722 ersetzt. In der vom Pfarramt Ebnit anno 1946 ausgestellten Heiratsurkunde sind für Anton Mathis folgende Alternativen angeführt:

    a) Anton Konrad Mathis (geb. 07.05.1729)
    b) Anton Mathis (geb. 14.01.1733)

    Keine dieser Personen passt zu den Altersangaben im Sterbebuch. Um die richtigen Daten zu erhalten, sind weitere Nachforschungen und Verwandtschaftsberechnungen notwendig.

  • In einem Familienbuch sind bei einer Familie zwei Maria "Agatha" mit unterschiedlichem Geburtsdatum (1766 und 1772) vermerkt, wobei die 1766 geborene Maria "Agatha" anno 1792 geheiratet haben soll. Das kann nicht stimmen. Da hat der Priester irrtümlich bei der Heirat das falsche Geburtsdatum ins Ehebuch eingetragen. Wenn innerhalb einer Familie zwei Kinder den selben Vornamen haben, dann kann man davon ausgehen, dass die ältere Maria "Agatha" vor der Geburt der zweiten Maria "Agatha" gestorben ist.

  • Falsche Schreibweise bei Familiennamen: Die Rechtschreibung von Familiennamen wurde erst zu Ende des 19. Jahrhunderts fixiert: Bis dahin wurde ein Name so festgehalten wie er "gelautet" hat, d.h. wie ihn der Schreiber verstanden hat. Abschriften wurden in Schreibstuben von Kopisten verfertigt. Personaldokumente wurden entweder zur Gänze handschriftlich ausgestellt oder man füllte einen vorgedruckten Lückentext aus, ergänzte diesen etwa mit Namen, Geburtsort und -datum, Wohnort und Beruf. Lag bereits etwas Schriftliches vor, so hatte man mit dem Entziffern von derartiger Schriftstücke mitunter große Schwierigkeiten, vor allem dann, wenn man nicht wußte, wie ein gegebener Name lauten sollte. Waren gleich mehrere Abschriften von ein und demselben Schriftstück erforderlich, so wurde zumeist diktiert: einer diktierte, die anderen schrieben, auch Namenslisten und Indices wurden in ähnlicher Weise erstellt. Im Allgemeinen war man bestrebt, einen Namen so festzuhalten, dass er im Klang wiederzuerkennen war. Dadurch änderte sich die Schreibweise der Familiennamen, aber auch der Vornamen:

    a) Der Familienname des Matthäus Mayr (1814-1871) wurde im Taufbuch und im Ehebuch von Meransen, Südtirol mit "y" (Mayr) geschrieben. Im Sterbebuch Meransen wird er Matthäus "Mair" genannt. Bereits bei den Taufbucheintragungen seiner Enkel wurde manchmal die Schreibweise "Mair" verwendet. Von Generation zu Generation wechselte die Schreibweise auf "Mair" oder "Mayr". Die weiteren Nachkommen haben dann die jeweilige Schreibweise beibehalten, obwohl der gemeinsame Stammvater den Familiennamen "Mayr" hat.

    b) Der als Armin Maier getaufte Schneidermeister aus Götzis bewirkte bei der Vorarlberger Landesregierung eine Matrikenberichtigung in "Mayer". Das Pfarramt Götzis wurde von der Landesregierung beauftragt bei den Geburtseintragungen der Familie des Johann Peter Maier (1876-1965) und dessen Söhnen von "Maier" in "Mayer" zu berichtigen. Begründung: Für die Führung des Familiennamens ist die Schreibweise des Familiennamens jenes Ahnen massgebend, der den 1.1.1812 erlebt hat...die früheren Vorfahren sind als "Mayer" eingetragen...

    c) Am alten Grabstein eines Familiengrabes auf dem Friedhof St. Anton in Hohenems hatte ein kreativer Steinmetz den Familiennamen "Weibel" eingemeißelt, obwohl "Waibel" richtig ist. Im Tauf-, Ehe- und Sterbebuch ist klar "Waibel" ersichtlich.

    d) Auf einer Grabtafel auf dem Friedhof St. Anton in Hohenems ist bei mehreren Personen der Familienname "Ammann" zu lesen. In den Tauf-, Ehe-, Familien- und Sterbebüchern hatten diese Personen, inklusive deren Vorfahren, den Familiennamen "Amann". Eine einzige Ausnahme bildete die durch Frühmesser "Ammann" vorgenommene Ehebuch-Eintragung: Er schrieb den Familiennamen der Brautleute ebenfalls mit doppeltem "m". Während jedoch beim Bräutigam die Schreibweise "Ammann" blieb, wurde bei der Braut auf "Amann" korrigiert. Deren Nachkommen haben offensichtlich die Schreibweise "Ammann" übernommen.

    e) Wenn man z.B. der Stammlinie "Hefel" folgt, trifft man auf die Schreibweisen Hefel, Höfl, Höfel, Heffel, Hefelin, Häfelin und Häffelin. Die falsche Schreibweise wurde oft auch bei der nächsten Generation verwendet.


Diese Beispiele veranschaulichen, wie wichtig es ist, die vorliegenden Daten mit mehreren Primärquellen zu vergleichen. Oft ist es auch hilfreich einen Blick auf die früheren Generationen zu werfen.

Genealogische Daten von einer Internet-Plattform

Im Internet gibt es inzwischen tatsächlich viele Anlaufstellen für die Sammlung von Daten für den eigenen Stammbaum. Durch andere Ahnenforscher wurden bereits umfangreiche Online-Datenbanken aufgebaut, die anderen Forschern bei der Forschung hilfreich sein können.

Es ist verlockend die genealogischen Daten mit anderen Menschen auf so einer Internet-Plattform auszutauschen. Wenn man dann auch noch eine Verbindung zur eigenen Verwandtschaft erkennt, dann geht das Sammeln von Daten erst richtig los.

Auf die Datenqualität wird nicht geachtet, denn man setzt voraus, dass alle Daten richtig sind. Dem ist aber leider nicht so. Es gibt Internet-Plattformen wo User absichtlich falsche Stammbaum-Daten eingeben, weil sie die Daten der eigenen Familie nicht preisgeben wollen, aber dabei bestrebt sind, möglichst viele Daten des anderen Forschers zu bekommen.

liste mit amann

Sammelt man die Daten im Internet, bedient man sich bei Sekundärquellen die möglicherweise Fehler enthalten.

Ein Hobby-Ahnenforscher schrieb in einem Forum: Ich habe netterweise eine große Sammlung an Daten von einem Mitforschenden [im Internet] gefunden die wunderbar meinen Stammbaum ergänzen. Nun habe ich der Vollständigkeit halber natürlich auch die Quellen gesucht und bin jetzt bei einem der Kandidaten auf eine andere Mutter gestoßen:

  • Laut dem anderen Ahnenforscher war Johann Teschkes Mutter Regine Klaw.
  • Laut dem Eintrag im Taufregister war es Eva Schulz.

Dieser Hobby-Ahnenforscher hat den Fehler gefunden und die richtige Mutter hinzugefügt. Ich gehe jede Wette ein, dass viele Hobby-Ahnenforscher sich nicht die Mühe machen die Daten auf Richtigkeit zu überprüfen. Die haben dann auch nur eine Ansammlung von Namen, die mit Ahnenforschung nichts zu tun haben.

Erhaltene Daten sollte man mit Primärquellen vergleichen. Bei der Erfassung der Daten sollte unbedingt auch deren Herkunft (Quellhinweise) notiert werden. Damit kann man nachträglich überprüfen, wie man zum jeweiligen Ergebnis gekommen ist.