Wappen der Familie Madrutz (Madruzzo) in Siebmachers Wappenbuch von 1605

Die "Madruzzo" (deutsch: Madrutz) waren eine italienische Adelsfamilie mit Stammsitzen in Nanno und Denno im Trentino, das sich ab 1452 nach seiner damals erworbenen Besitzung Schloss Madrutz (italienisch Castello Madruzzo) in Lasino benannte. Sie stellte in der frühen Neuzeit vier Fürstbischöfe von Trient, damit Herrscher über das Trentino, und erlangte so auch auf europäischem Niveau zwischen Reich und Papst einige Bedeutung.

Wappen

Der Wappenschild ist geviert. Er zeigt in Feld 1 und 4 sechs schräggestellte Balken in Silber und Blau, das Wappen der Familie Nano, in Feld 2 und 3 auf schwarzem Grund einen silbernen Fünfberg, der mit einem Roten Sparren belegt ist, das Wappen der Familie Sparrenberg (Sparemberg). Der Mittelschild zeigt das alte Madruzzowappen in Rot, in der unteren Hälfte zwei silberne Pfähle.

Geschichte

Das Geschlecht der Madruzzo nannte sich ursprünglich nach seinen Besitzungen Nanno und Denno (das letztere Schloss ist heute verschwunden) im Trentino (Region Trentino-Südtirol in Norditalien). Der erste geschichtlich fassbare Vertreter dieser Familie war Roberto signore di Nanno, der am 23. Juli 1217 urkundlich auftritt.

Schloss und Herrschaft Madruzzo (in Lasino im Valle dei Laghi), die ursprünglich einer 1380 erloschenen Adelsfamilie gehörten, die sich di Madruzzo nannte, wurden 1447 von Aliprando, einem Sohn von Guglielmo di Denno-Nanno käuflich von nachfolgenden Besitzern erworben. Seit 1452 nannte sich dessen Bruder, der Stammvater der Familie, Giovanni di Nanno (+ vor 1469), auch Herr von Madruzzo. Er war zugleich auch "Sindaco" (etwa: Bürgermeister) von Madruzzo, Calavino und Lasino. Ab 1475 nannten sich seine Nachkommen vorwiegend Madruzzo.

Castell Madruzzo
Castell Madruzzo

Dessen Sohn Federico von Nano, Herr von Madruzzo, kommandierte 1487 für den römisch-deutschen König Maximilian I. Truppen gegen Venedig. Im 16. Jahrhundert kam auch das Castel Toblino an die Madruzzo, ein altes bischöfliches Lehngut, das zum bevorzugten Sommeraufenthalt der Bischöfe aus dem Hause Madruzzo wurde. Durch Isabelle de Challant (1531-1596), Gemahlin des Giovanni Frederico di Madruzzo (1535-1586), kam das Castello di Issogne im Aosta-Tal an die Familie.

Mit Giovanni Gaudenzio Madruzzo, dem Sohn Federicos, begann die Blütezeit der Madruzzo. Dieser erwarb sich in Diensten Kaiser Karls V. militärischen Ruhm und freiherrlichen Rang.

Sein Sohn Cristoforo Madruzzo (1512-1578) wurde 1539 Fürstbischof von Trient und damit Herrscher über das Trentino. Diese Position, die die Familie weit über ein Jahrhundert besetzen konnte, bildete die Basis für ihre Machtstellung. Cristoforo war außerdem Gastgeber und bedeutender Theologe des Konzils von Trient. Die Zugehörigkeit sowohl zum Heiligen Römischen Reich und dem seine Kaiser stellenden Haus Habsburg, als auch zum italienischen Kulturbereich (unter anderem als Kardinäle der Kurie) wies den Trientiner Fürstbischöfen zudem eine Mittlerrolle zwischen beiden zu, aus der die Bedeutung der Familie erwuchs. 1543 wurde er auch Fürstbischof von Brixen. 1556 ernannte der spanische König Philipp II. Cristoforo zum Gouverneur des Herzogtums Mailand. Im Jahre 1567 verließ er diesen Posten und trat auch von seinem bischöflichen Stuhl in Trient zugunsten seines Neffen Giovanni Ludovico Madruzzo (1532-1600) zurück, der seit 1550 Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge war; in Brixen folgte ihm nach seinem Tod sein Neffe Johann Thomas von Spaur als Fürstbischof nach.

Geschickte Heiratspolitik verband die Madruzzo in dieser Zeit mit mächtigen europäischen Adelsfamilien, so den Medici, Fugger, Gonzaga, Orsini und den Herren von Ems (oder Altemps).

Folgende Personen waren Fürstbischöfe aus dem Hause Madruzzo:

  • Cristoforo Madruzzo (Kardinal), amtierend 1539-1567
  • Ludovico Madruzzo (Kardinal), 1567-1600
  • Carlo Gaudenzio Madruzzo (Kardinal), 1600-1629
  • Carlo Emanuele Madruzzo, 1629-1658
  • Ludovico Madruzzo (Kardinal ) 1532-1600, nahm 1582 als Päpstlicher Legat am Augsburger Reichstag teil, ferner an sieben Papstwahlen. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in Rom und starb dort auch.

Dessen Neffe Carlo Madruzzo (1562-1629) wurde im Jahre 1600 sein Nachfolger in Trient und 1604 Kardinal. Auch dieser starb in Rom.

Mit dem vierten Trientiner Fürstbischof der Familie, Carlo Emanuele Madruzzo (1599-1658), starb 1658 die Familie im Mannesstamm aus. Sein Gesuch, sich in den Laienstand versetzen zu lassen, um das Aussterben zu verhindern, wurde vom Papst abgelehnt. Freilich hinterließ er einige illigetime Nachkommen, die auch weiterhin politisch und wissenschaftlich hervortraten.

Der Hauptsitz der Familie, das Castel Madruzzo, sowie das Castello di Issogne fielen im Erbgang und durch Heirat 1661 an die Familie Lenoncourt und 1691 an die Del Carretto, Marchesi di Balestrino, die Letzteres nach einem Erbstreit 1696 an eine Linie der ursprünglichen Besitzerfamilie von Challant herausgeben mussten. Das Castel Nanno fiel an die Trentiner Kirche.

Dem aus einer Seitenlinie stammenden Andreas Nikolaus Madruzzo (1685-1726) gelang es, offiziell als Nachfahre des Geschlechts bestätigt zu werden, jedoch starb auch diese Linie 1796 im Mannesstamm aus.

Literatur

  • Benito Mussolini schrieb 1910 einen historischen Roman (L'amante del cardinale, dt. Die Mätresse des Kardinals), in dem er das mutmaßlich dekadente Ende der Familie um den vierten und letzten Fürstbischof thematisiert
  • Volker Reinhardt (Hrsg.): Die großen Familien Italiens (= Kröners Taschenausgabe. Band 485). Kröner, Stuttgart 1992, ISBN 3-520-48501-X.

Quelle: Wikipedia

Die Adelsfamilie Madrutz (Madruzzo) befindet sich im Stammbaum-Netzwerk und im Familienbuch Adel.