Dr. Walter Bonell (1907-2005)

Dr. Walter Bonell (1907-2005), Arzt

Der Arzt Dr. Walter Bonell aus Bamberg widmete das von ihm verfasste Buch "Die Bonell-Generationen in Tirol und ihre Zeit" seinen lieben Eltern. Auszüge aus seiner Familiengeschichte sind im Sippenblatt der Bonell im Stammbaum-Netzwerk zu finden.

Der Ursprung des Geschlechternamens Bonell ist romanisch. Aus dem Beinamen bildete sich durch den Übergang vom Vater auf den Sohn der Geschlechter- oder Familienname. So kann der Familienname vom Vater "Bonus" (der Gute) auf den "Sohn Bonellus" (der jüngere, oder der kleinere oder der weniger Gute) übergegangen bzw. entstanden sein, wobei sich jedoch die alten romanischen Namen nicht an das klassische Latein, also Bonellus, sondern an die damals schon in Bildung begriffene romanische Nationalsprache anlehnten; daher scheinen schon früh die Schreibweisen Bonel und Bonell auf. Die Endung auf "us" (Bonellus) in manchen Urkunden kann eine Anpassung an den lateinischen Text bedeuten. Nicht ganz von der Hand zu weisen ist die Möglichkeit, dass der erste Bonellus in Carano von seinem Vater die als Notar in den lateinischen Urkunden benützte Endung auf "us" für sich und seine Nachkommen übernommen hat.

 

Bonell in Burgeis

Burgeis, ein kleines Dorf im oberen Vinschgau, am Fuße des Benediktinerklosters Marienberg, ist der erste geschichtliche bzw. urkundliche Schauplatz der Familiengeschichte.

Die alte Schreibweise von Burgeis variiert zwischen Burgus, Burgusium, Burgusia und Burgüs. Um 1300 war für den Ort die Schreibweise Purgews bekannt, 1394 Purgeus (und dort für dasselbe Jahr für den Geschlechternamen Bonell: Punell); erst ab 1616 ist allgemein der Ortsname Burgeis anzutreffen. Die erste Erwähnung von Burgeis findet sich in der Urkunde, mit der "Ulrich Primele von Burgus" im Jahre 1140 die Gründung eines Hospizes in der Nähe von Burgeis, das Hospiz St. Valentin auf der Haide, in die Wege leitete. Ab 1150, dem Jahr der Klostergründung Marienberg und der ersten Bonell-Urkunde, taucht der Name von Burgeis in vielen Urkunden auf.

Original-Urkunde Nr. 239 - TUB vom 11.03.1150 mit dem ersten Erscheinen des Familiennamens Bonell in Tirol

Der Familienname Bonell scheint bis zum Jahre 1200 in sieben Marienberger Urkunden und eine von St. Georgenberg auf. Aufgrund andere Hinweise kann man vermuten, dass die ersten (oder der erste) Namensträger Bonell im Gefolge der "Herren von Tarasp" zuerst von Mailand ins Engadin und 1146 von dort nach Tirol bzw. Burgeis im oberen Vinschgau kamen.

Bonellus, homo liber de Burgus (Freier Bonell aus Burgeis) scheint als erster Bonell in der Marienberger Urkunde Nr. 239 im Jahre 1150 auf (siehe Abbildung rechts).

In der St. Georgenberger Urkunde Nr. 264 wird Bonell als Zeuge erwähnt. Die Urkunde Nr. 264 ist außerdem von besonderer Bedeutung, da sie 1158 in Dorf Tirol (wahrscheinlich auf Schloss Tirol) in Anwesenheit von "Hecil cancellarius de Tyrol qui pennam levavit" ausgestellt wurde. Es ging dabei um Güter-Schenkungen und Tausch mit Leuten aus der Gegend von Meran und dem Kloster Georgenberg im Inntal. Die betroffenen Güter lagen im Machtbereich zum Teil der Grafen Adalbert und Berthold von Tirol, zum Teil der Herren von Tarasp und Matsch. Es ist anzunehmen, dass der Zeuge Bonell, als Vertreter der Interessen der Herren von Tarasp (die selbst in der Urkunde nicht als Zeugen auftreten), aus Burgeis kam und mit dem "Freien" Bonell der Urkunde Nr. 239 von 1150 identisch ist.

Dieser Bonell, liber homo de Burgus, ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit als Stammvater der Tiroler Bonell-Generationen anzusehen.

Bei diesem "Freien" Bonell wird auf einer Urkunde aus dem Jahr 1167 auch sein Taufnamen angeführt, nämlich Viuencius (auch die Schreibweise Viuentius oder Vivencius, gleich Vincentius, ist anzutreffen). Aufgrund der Vermutung, dass die Bonell-Vorfahren in Begleitung der Herren von Tarasp nach Tirol kamen - und dort mit ihren Herren gute Tiroler wurden - kann man annehmen, dass Viuencius Bonell, anlässlich der Übersiedlung des Klosters St. Maria von Schuls nach St. Stephan in Burgeis (1146) für seine Verdienste bei den Herren von Tarasp mit Hof und Gut belohnt bzw. belehnt wurde - wie es damals für ritterliche Dienstmannen üblich war - und dass gleichzeitig aus dem Leibeigenen ein Freier (liber homo) wurde.

Erwähnenswert ist auch, dass 1160 und 1173 auch unter den "servientes de sancte Marie" Mitglieder der Familie Bonell zu finden sind. Es kann sich bei den beiden Erwähnungen um eine oder zwei Personen handeln, möglicherweise um Brüder des Freien Bonell. Unter den "servientes de sancte Marie" sind auch höher gestellte Bedienstete des Klosters zu verstehen.

In den Marienberger Urkunden Nr. 275 von 1161, Nr. 293 von 1164, Nr. 312 von 1167 (rätische Kanzlerurkunden) und 1163 in einer Schenkungsurkunde an St. Georgenberg ist Bonell Zeuge.

In der Marienberger Urkunde Nr. 333 aus dem Jahre 1173 (rätische Kanzlerurkunde) wird ein "Bonel de Tinzen" (Tinzen in Graubünden) als Zeuge erwähnt.

Ein ganz wichtiges Bindeglied in der weiteren Ahnenfolge vermittelt die Urkunde Nr. 446. Darin treten Ende des 12. Jahrhunderts die Kinder - es muss sich wenigstens um vier Söhne und zwei Töchter gehandelt haben - des Viuencius Bonell in einer eigenen, familienbezogenen Urkunde auf. Einer dieser Söhne, "Bonel, filius Bonel, liber homo de Burgus", macht 1189 vor der Teilnahme am dritten Kreuzzug unter Friedrich Barbarossa eine jährliche ("omni anno") Lichtstiftung an die Kirche St. Zeno in Burgeis, und nachdem der Kreuzfahrer nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt ist, bestätigte 1201 sein Bruder Udalricus (Ulrich) im Namen seiner Brüder und Schwestern die Stiftung. Diese Bestätigung war mit einer Belastung des ersten Bonell'schen Grundstückes ("de primo campo suo") in Granadiz bei Burgeis verbunden und wurde von neun Zeugen notariell, "cum manu advocati Egnonis", bekräftigt.

Viuencius, der Vater selbst, tritt in fünf überlieferten, wichtigen Marienberger Urkunden gleichzeitig mit den Brüdern Heinrich und Albero de Burgus als Zeuge auf, in der Urkunde Nr. 276 gleich an erster Stelle nach den beiden "Herren von Burgus" vor weiteren 27 Zeugen. Die Vermutung ist wohl begründet, dass Viuencius Bonell und die Herren von Burgus sich nicht nur gut kannten, sondern auch Umgang pflegten. Diese Aussage hat vor allem auch für die Kinder bzw. Söhne der beiden Familien Bonell und de Burgus Geltung, da diese als Burgeiser Kinder zusammen aufgewachsen sind und sicherlich im kleinen Burgeis regen Kontakt miteinander hatten.

Das Geschlecht der "Herren von Burgus", das sich wahrscheinlich nach dem Turm Burgus unterhalb des Stiftes Marienberg, den es bewohnte, benannte, erscheint urkundlich erst 1160 das erste Mal. Unter den Söhnen des Albero de Burgus befand sich Friedrich von Wangen, der im Jahre 1208 auf den Stuhl des hl. Vigilius (in Trient) gewählt wurde - zuvor war er Domherr in Augsburg und anschließend von 1200 bis 1207 Domdekan in Brixen.

Bonell am Nonsberg

Von Burgeis aus führt der Weg der Bonell-Ahnen über Meran und das Gampenjoch zur nächsten Station der Familiengeschichte, nach Fondo am Nonsberg. Im Mittelalter hieß der Ort Fundus. Fondo liegt 987 m hoch am Schnittpunkt der Gampen- und Mendelstraße in einem uralten Herrenland, das schon die vornehmen Römer als Sommersitz aufsuchten. Im Mittelalter haben sich auf dem ganzen Nonsberg zahlreiche große und kleinere Adelsgeschlechter sesshaft gemacht, so die Grafen von Flavon, von Spaur, von Corneth, von Eppan, die Herren von Cles, Belasi, von Thun, um nur einige zu nennen. Von den meisten dieser Geschlechter gingen auch Fürstbischöfe von Trient und Brixen hervor.

Als Friedrich von Wangen zum Bischof gewählt wurde, erscheint ein Sohn des Viucencius Bonell und Bruder des Kreuzfahrers am bischöflichen Hof, wo er wahrscheinlich als juristischer Berater tätig war. Den Wohnsitz hatte dieser Bonell zunächst auf dem Nonsberg ("Bonellus de Fundo"), der vom Vinschgau aus leicht über "Unsere lieben Frau im Walde" zu erreichen war. Außerdem befand sich in der Nähe von Fondo, in Cles, das fürstbischöfliche Vikariat und der Gerichtssitz des Hochstiftes Trient. In Cles, wahrscheinlich im alten Assessorenpalast, spielt sich die Handlung der Urkunde Nr. 696( T.U.B.) ab, in der ausgesagt wird, dass dieser "Bonellus de Fundo" im Juli 1216 vor dem Bischof Friedrich von Wangen (und einer auserlesenen Vertretung des Adels, darunter war ein Bruder des Bischofs) in dessen Auftrag die Bitte um Rechenschaft über die Leistungspflicht der Rimannien vortrug, die Swicerus von Metz mit einem Laudamentum beantwortete. Die Rimannien waren Güter alter langobardischer Krieger (Heermannen oder Rimannen genannt), die dem Bischof von Trient als Inhaber des früheren langobardischen Herzogtums Trient immer noch abgabepflichtig waren.

Nach dem Tode seines Jugendfreundes und Gönners Bischof Friedrich von Wangen (1218), vielleicht auch schon früher, ließ sich Bonellus de Fundo in Trient als "notarius publicus et civis" nieder. Möglicherweise hat er dort in seinen Jugendjahren, zur gleichen Zeit wie Bischof Friedrich von Wangen das Theologiestudium, seine Ausbildung absolviert.

Im bischöflichen Palast in Bozen, das Absteigequartier für die Trienter Bischöfe war, spielt sich im Jahre 1228 die Handlung der Urkunde Nr. 899 (T.U.B.) ab, in der notarius publicus Bonell auftritt.

Die Notarfreudigkeit und die ersten Anregungen dazu hat der Bonell-Urahne vermutlich von seinem Vater Viuencius geerbt bzw. bekommen.

Wappen der BonellBonell in Carano

Die nächste Station der Bonell-Generation ist das in 1086 m Seehöhe befindliche malerische Bergdorf Carano, 1 km westlich vom Fleimstaler Hauptort Cavalese. Die große Kirche steht etwas abseits auf einer eigenen Anhöhe mit dem schön gepflegten Friedhof, auf dem viele Grabmäler von Bonelli-Familien anzutreffen sind.

Ganz eindeutig schließt die Dorfchronik von Carano die große Lücke der Bonell-Generationen vom "ersten Bonellus" bis Hans Jakob Bonell (1595-1679) mit der Aufzählung, wie viele Familien Bonell ohne Unterbrechung in den verschiedenen Jahrhunderten in Carano sesshaft waren. Zur großen Ehre der Vorfahren vermerkt die Dorfchronik, dass das Geschlecht Bonell ("casato Bonell(i)") das älteste bekannte im Dorf ist. Carano ist der Ausgangspunkt der sicheren und lückenlosen Ahnenfolge der meisten Tiroler Bonell-Linien bis auf den heutigen Tag. Aus Carano stammt auch das Tiroler Bonell-Wappen (Abbildung links).

Der erste Namensträger Bonell in Carano, der im Jahre 1240 urkundlich erwähnt wird, hat vermutlich über die früheren persönlichen Beziehungen zum Bischof Friedrich von Wangen den "Eppaner Hof" übereignet bekommen; jedoch muss man auch die Kontakte des Notars Bonell mit den Grafen von Eppan in Betracht ziehen. In der Dorfgeschichte heißt es, dass der "Eppaner-Hof", den Graf Ulrich von Ulten-Eppan zuvor seiner Frau Uta zum "Fruchtgenuss" geschenkt hatte, jenes Haus im Westen des Dorfes ist, das den Erben des Leonhard Bonell zustand, und dass dieser Hof Asylrecht genoss, wie eben die Grafschaftshäuser, die ihren Feudalherren zinsten, von denen sie das Lehen erhalten haben. Ob schon der erste Bonellus in Carano "Leonhard" hieß, ist allerdings ungewiss. Auf alle Fälle hat die Familie Bonell den "Eppaner Hof"einwandfrei im Besitz gehabt.

Da Bischof Friedrich von Wangen enge verwandtschaftliche Bindungen zu den Grafen von Ulten-Eppan hatte, darf man annehmen, dass dieser Bischof einem Sohn seines Jugendfreundes und juristischen Beraters Bonell (notarius publicus et civis) diesen Hof, wahrscheinlich zunächst nur zur Verwaltung, übermitteln konnte. Friedrich von Wangen war bekannt für das von ihm eingeführte und auch noch von den nachfolgenden Trienter Bischöfen praktizierte "Leiherecht". Kraft dieses Leiherechtes bekamen Bürger vom Grundherren, dem Hochstift Trient, Hof und Grundstücke als erbbares Zinslehen verliehen. Es ist bekannt, dass der Eppaner Hof in Carano 1235 vom Hochstift Trient angekauft wurde.

Bonell in Montan

Nach dem langen Verweilen der Bonell im Fleimstal sorgte Stephan Bonell (1632-1700) im Jahre 1672 dafür, aus den vorausgehenden Bergbauern die nachfolgenden Bonell-Generationen zu Wein- und Obstbauern zu machen. Durch seine Heirat nach Montan versetzte er gleichzeitig die Geschlechterfolge der Tiroler Bonell wieder in das Etschtal, von wo die Familiengeschichte, in Burgeis an der Etsch, den Ausgang genommen hat. 

Montan liegt mitten im prächtigen Rebengelände, etwas abseits von der Landstraße, die von San Lugano kommend in das etwa 250 m tiefer gelegene Auer führt. Die Kirche, die Bauernhäuser und Gasthöfe stehen alle eingeengt auf steilem Gelände und kaum findet man dort ein ebenes Plätzchen. Zu Füßen des Dorfes breiten sich die fruchtbaren Wein- und Obstbaugebiete aus. Diese neue Wahlheimat hat sich Stephan Bonell ausgesucht. Nach seiner Heirat mit Ursula Menghin aus Montan hatte er sich am Hof seiner jungen Frau sesshaft gemacht. Auch die nächsten drei Bonell-Generationen blieben in Montan, bis sein UrUrEnkel Michael Bonell (1763-1839), zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie nach Auer verzog.

Bonell in Auer

Otterhof in Auer

Der gemeinsame Ahnherr der letzten drei Linien ist Michael Bonell; er wurde am 8. Juli 1763 in Montan geboren, heiratete am 20. November 1792 Maria Pichler aus Auer und machte sich dort im Jahre 1805 am Otterhof sesshaft. Der Otterhof ist noch heute im Bonell'schen Besitz.

Das Foto rechts zeigt den mittelalterlichen Bau des Otterhofes aus der Zeit vor seiner Renovierung. Der Name Otterhof kommt einer Deutung nach von den vielen Fischottern, die sich seinerzeit im Mühlbach aufhielten.

Vom Otterhof bzw. aus der Ehe des Michael und der M. Theresia Pichler - VI. sichere Generation seit Hans Jakob in Carano - stammen alle später aufgezählten Bonell-Nachkommen der VI. bis XII. Geschlechterfolge ab. Wollte man von diesen genannten Stammeltern alle späteren Sprösslinge, auch die der "hinausgeheirateten" Bonell-Töchter zusammenzählen, so käme man schätzungsweise auf die stattliche Zahl von über 500 direkten Nachkommen!

Vom 17. bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es viele Bonell-Nebenlinien, sowohl in Montan als auch in Auer, die fast alle langsam wieder erloschen sind. Hingegen sorgten die Nachkommen des Michaels (* 1763) für die Kontinuität der Stammreihe.

Von der Familie dieses Michaels blieben die Söhne Franz (* 1804) und Michael (* 1811) mit ihren Nachkommen im ganzen 19. Jahrhundert der Auerer Heimat treu, während die Kinder des ältesten Sohnes Josef (* 1800), Anton und Alois, bald nach dem Tode ihres Vaters mit ihrer Mutter den Otterhof in Auer verließen und nach Girlan zogen.

Alois Bonell (* 1839) versetzte bald nach seiner Verheiratung 1861 die Bonell-Generation nach Brixen. Er kaufte sich in der alten Bischofsstadt ein Haus und ließ sich dort mit seiner Familie als Tischlermeister nieder. Sein Sohn Josef Bonell (1862-1945) erbaute für seine Familie die "Villa Bonell" in Brixen, Millanderstraße 37 (heute Plosestraße 5).

Anton Bonell (geb. 1838) heiratete am 5. Juni 1866 in Girlan Katharina Abraham aus St. Michael; er blieb dort während der ersten Jahre seiner Ehe wohnhaft. 1872 kaufte er für sich und seine Familie den schönen Oberharb-Hof in Andrian und wurde auf diese Weise der Stammvater der großen Andrianer Bonell-Linie. Andrian liegt sanft ausgebreitet auf einem rebenbedeckten Murkegel am Fuße des dolomitenförmigen Gantkofels.

Die große Andrianer Linie hatte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark verzweigt, sie ist jedoch mit mehreren Familien dort noch sesshaft.