Bausch & Lomb - Zwei Auswanderer

Die Geschichte von Bausch & Lomb ist untrennbar mit zwei bemerkenswerten Auswanderern verbunden, die heute im Stammbaum‑Netzwerk von verwandten.info dokumentiert sind: Johann Jakob Bausch (1830-1926) aus dem Königreich Württemberg und Heinrich Lomb (1828-1908) aus dem Großherzogtum Hessen. Ihre Lebenswege, ihr Mut zur Auswanderung und ihr Unternehmergeist legten den Grundstein für eines der bedeutendsten Optikunternehmen der Welt.

Bausch & Lomb zählt heute zu den traditionsreichsten und einflussreichsten Unternehmen der Augenoptik. Seit der Gründung im Jahr 1853 in Rochester, New York, prägt das Unternehmen die Entwicklung von optischen Instrumenten, Kontaktlinsen, medizinischen Lösungen und ikonischen Marken wie Ray-Ban. Mit über 12.000 Mitarbeitenden in mehr als 36 Ländern ist es zu einem globalen Akteur im Bereich der Augengesundheit geworden.

Die Gründer: John Jacob Bausch und Henry Lomb

Henry Lomb (1828–1908)

Geboren: 24. November 1828 in Darmstadt, Großherzogtum Hessen

Henry Lomb wanderte 1849 in die Vereinigten Staaten aus und arbeitete dort zunächst als Möbelschreiner. Seine Freundschaft zu John Jacob Bausch sollte sein Leben entscheidend verändern. Als Bausch 1854 zusätzliches Kapital benötigte, lieh ihm Lomb 60 Dollar – eine für damalige Verhältnisse beträchtliche Summe.

Bausch versprach ihm, ihn als Partner aufzunehmen, sobald das Geschäft wachsen würde. Dieses Versprechen löste er 1855 ein: Henry Lomb wurde Geschäftspartner und Namensgeber des später weltbekannten Unternehmens Bausch & Lomb.

John Jacob Bausch (1830–1926)

Geboren: 25. Juli 1830 in Süßen, Königreich Württemberg

Mit achtzehn Jahren verließ Bausch seine Heimat und arbeitete zunächst in einem Optikergeschäft in Bern (Schweiz). 1849 wanderte er in die USA aus. In Buffalo und Rochester fand er jedoch kein Geschäft, das optische Produkte führte – also gründete er selbst eines.

Am 3. November 1853 eröffnete er in der Reynolds Arcade in Rochester ein kleines Optiker-Geschäft. Dort verkaufte er Brillen, Thermometer, Feldstecher, Vergrößerungsgläser, Operngläser und Mikroskope – viele davon importierte er eigenhändig aus Europa.


Der entscheidende Durchbruch: Vulkanit-Gummi

Beim Spaziergang durch eine New Yorker Straße fand John Jacob Bausch ein Stück Vulkanit-Gummi (Hartgummi), das üblicherweise zur Herstellung von Kämmen verwendet wurde. Er erkannte das Potenzial des Materials und experimentierte damit in seiner kleinen Küche.

Er formte daraus Brillenrahmen und passte Gläser ein, die er aus Europa importierte. Diese neuen Rahmen waren haltbarer und deutlich günstiger als Modelle aus Gold oder Horn. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten – und die Firma Bausch & Lomb begann, diese innovativen Produkte in größerem Stil zu vermarkten.

Gründungsjahre und frühe Expansion

Der Durchbruch gelang 1861 mit der Produktion von Monokeln mit Gummirahmen. In der zweiten Generation wurde das Portfolio ab 1875 auf Mikroskope ausgeweitet. 1892 folgte eine Kooperation mit den Zeiss-Werken in Deutschland, wodurch die Produktion optischer Linsen weiter professionalisiert wurde.

Ende des 19. Jahrhunderts umfasste die Produktpalette bereits Brillen, Mikroskope, Binokulare, Projektoren, Kameralinsen und Blenden.

Produktionserweiterung Anfang des 20. Jahrhunderts

Mit dem Ausbau der US-Streitkräfte unter Präsident Theodore Roosevelt erhielt Bausch & Lomb große Aufträge für optische Präzisionsgeräte. Gemeinsam mit dem Zulieferer Saegmuller wurde ein Joint Venture gegründet. Gleichzeitig entstand eine Forschungsabteilung, die neue Produkte entwickeln und bestehende verbessern sollte.

1902 entwickelte William Bausch, Sohn des Firmengründers, ein Verfahren, um geschmolzenes Glas direkt in Linsenform zu gießen – eine enorme Zeit- und Materialersparnis.

Erster und Zweiter Weltkrieg

Die Weltkriege führten zu einem stark erhöhten Bedarf an optischen Messgeräten wie Ferngläsern, Zielfindern, Kameralinsen und Periskopen. Der militärische Anteil der Produktion lag zeitweise bei 70 %.

Eine der bedeutendsten Entwicklungen dieser Ära war die 1926 für Piloten entwickelte Sonnenbrille – die spätere Ray-Ban Aviator.

Nachkriegszeit und technologische Innovationen

Nach dem Zweiten Weltkrieg rückten Photographie und Augenoptik wieder stärker in den Fokus. Neue Produktionsstandorte in Kanada, Brasilien und Argentinien entstanden. Mit der CinemaScope-Linse gelang Bausch & Lomb eine Revolution im Kino: Erstmals wurde ein echter Widescreen-Effekt möglich.

1971 brachte das Unternehmen nach jahrelanger Forschung die ersten weichen Kontaktlinsen aus Poly-HEMA auf den Markt. Die SofLens-Linsen wurden weltweit bekannt und prägten die moderne Kontaktlinsentechnologie.

Die Firma Wild in Heerbrugg (Schweiz) gehörte in den 1970er-Jahren zeitweise zu Bausch & Lomb. Genauer gesagt, übernahm Bausch & Lomb 1972 eine Beteiligung an Wild Heerbrugg, was zu einer Phase enger Zusammenarbeit führte. Diese Verbindung endete jedoch 1987, als Wild Heerbrugg wieder vollständig in Schweizer Besitz überging und später in Leica integriert wurde.

Umstrukturierung und globale Expansion

In den 1980er-Jahren begann eine umfassende Umstrukturierung: Optische Kernbereiche wurden verkauft, während durch Zukäufe – etwa der Polymer Technology Corporation oder Dr. Mann Pharma – neue Geschäftsfelder erschlossen wurden. 1997 wurde die Sparte für chirurgische Produkte etabliert.

Moderne Unternehmensentwicklung

Bausch & Lomb entwickelte sich zu einem globalen Marktführer im Bereich Kontaktlinsen und Medizintechnik. 2013 wurde das Unternehmen an Valeant Pharmaceuticals verkauft (heute Bausch Health Companies). Die Marke Bausch + Lomb besteht weiterhin als eigenständige Einheit innerhalb des Konzerns.

Geschäftsfelder heute

  • Vision Care: Kontaktlinsen und Pflegeprodukte
  • Pharmazeutika: Medikamente für Augenkrankheiten
  • Surgical: Implantate, Laser und Geräte für Augenoperationen

Die Kontaktlinsenproduktion bleibt ein Kerngeschäft, ergänzt durch moderne Pflegeprodukte und pharmazeutische Lösungen. Die Kombination aus historischer Expertise und moderner Forschung macht Bausch & Lomb zu einem der wichtigsten Akteure im Bereich der globalen Augengesundheit.

Quellen: Private Unterlagen, Bausch + Lomb History + Heritage